Doppelherz

6 Apr

Geschafft! Wir haben die kritischen zwölf Wochen überstanden. Die Welt um uns herum war  informiert, und die meisten freuten  sich mit uns.

Wir atmeten auf und durften uns jetzt so richtig schwanger fühlen. Aber was bedeutet das, wenn man so rein gar nix merkt? Ich versuchte, in meinen Bauch hineinzuhören. „Bist DU noch da, Baby?“ Ich versuchte, auf Signale meines Körpers zu achten. Was passiert denn da drin? ICH war einfach nur dauermüde. Dabei wartete ich eigentlich auf meine Heißhungerattacken mit  anschließender  Übelkeit. Aber die bleiben aus. „Hoffentlich ist es noch bei mir“. Schließlich war  ich mit meinen 33 Jahren ja schon fast spätgebärend. Und hier liegt die Wahrscheinlichkeit das Baby zu verlieren bei 13 %. Klingt nicht viel? Aber wenn es um das eigene Baby geht, ist das eine irre hohe  Wahrscheinlichkeit. Denn noch etwas wächst mit, nämlich die Sorge, es könnte etwas schief gehen. Vorsichtshalber bewegte  ich mich, als würde ich auf rohen Eiern laufen.

Bloß nicht schwer heben oder ruckartig bewegen, damit sich mein geliebtes Zellhäufchen nicht vor Schreck losreißt.

Allerdings kann ich heute, nach meiner zweiten Schwangerschaft, sagen: wir Frauen sind ganz schön stark und widerstandsfähig  und halten  ne ganze Menge mehr aus. Das wusste ich zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft natürlich noch nicht.

Aber immer hübsch der Reihe nach.

Ich hatte  zum ersten Mal mein Traumgesicht von 55 kg erreicht. Also wenn ich ehrlich bin, waren es 55,3 kg. Aber  wer wünscht sich schon irgendetwas-Komma-drei  zu wiegen? Und außerdem passt es besser zum Fluss meines Textes. Ihr werdet verstehen, dass ich aus rein rhetorischen Gründen zu meinen Gunsten mein Gewicht um 0,3 kg abrunde.  So wenig hatte ich jedenfalls (als Erwachsene) noch nie gewogen. Dafür esse ich viel zu gern.  Und jetzt war ich schwanger und wusste, dass ich meinem Traumgewicht wieder Lebewohl sagen musste. So hielt  ich mich tapfer an sämtliche Ge-und Verbote. Das heißt: Ich verzichtete  auf meine “heiß geliebten Mettbrötschen“, Mousse au chocolat (wegen der rohen Eier), Blutwurst, Leberwurst und Sushi .

Dafür nahm  ich noch mehr Obst, Gemüse und viel zu teure Folsäure-Tabletten aus der Apotheke zu mir. Ich weiß, ihr verzieht bestimmt bei Leberwurst und Blutwurst angeekelt das Gesicht und denkt „So etwas isst die?“ Und ich gestehe: Ja, tu ich! Allerdings nur ab und zu.

Seit ich von meinem kleinen Untermieter erfahren hatte, sah die Welt ganz anders  aus. In der kleinen Stadt, in der ich wohne und die sich Hilden nennt, watschelten  plötzlich nur noch schwangere Frauen mit stolzen runden Bäuchen herum.  Überall liefen oder spielten  Kinder. Und die Innenstadt war sozusagen geschwängert von Muddis, die mit Kinderwagen unterwegs waren. Komisch, ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Das nennt man wohl selektive Wahrnehmung. Und ich konnte es kaum abwarten, dass sich mein Bauch endlich wölbte, und ich eine von ihnen war.

VLUU L100, M100  / Samsung L100, M100

Der nächste Besuch bei meinem Gyn stand an. Heute würde ich zum ersten Mal das Herzchen meines Babys schlagen sehen. Ich war schon ein bisschen nervös. „Bitte, bitte bleib bei mir“ flüsterte ich meinem Bauch zu. Dann war es so weit. Der Doc machte mit seinem „Ultraschall-Zauberstab“ sichtbar, was meinen Augen sonst verborgen blieb. Da war er – der schönste kleine Wurm der Welt! Und sein Herz schlug. Allerdings ganz schön schnell. „Keine Sorge, das ist normal.“ versicherte  mir der Arzt und gratulierte mir, dass ich bis jetzt keine Beschwerden hatte. Das ist bei vielen Frauen anders.

Ich bin unendlich beruhigt, gerührt und genieß den Augenblick. Alles ist gut, und in mir schlagen zwei Herzen.

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat oder Du Anregungen für andere Mütter hast,würde ich mich über Deinen Kommentar sehr freuen. Du kannst auch gern meinen RSS feed abonnieren. Neue Beiträge oder Kommentare werden Dir dann sofort in Deinem RSS-Reader angezeigt.

2 Antworten to “Doppelherz”

  1. angela 9. April 2013 at 23:44 #

    Ich weiss genau was du da durchgemacht hast. Ist schon seltsam das man bei der ersten Schwangerschaft sich soooo viele Gedanken und Sorgen macht das alles in Ordnung ist mit Baby und ich habe auch jedesmal viele Kleinkinder und Schwangere Mütter wahrgenommen. Einer der schönsten Dinge war das ich mit meinen Bauch recht viele Gespräche geführt habe und auch die Bewegungen meines Baby’s genossen

    • Nippelsister Sanni 5. Mai 2013 at 22:29 #

      Liebe Angela,
      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Du bist die Erste die sich traut und hoffentlich nicht die Letzte. Es ist eine aufregende Zeit. Ab dem Zeitpunkt wo man weiß, dass man schwanger ist ändert sich tatächlich das ganze Leben.
      Ich habe es auch sehr genossen das Baby zu spüren und ich habe auch oft mit ihm gesprochen und gesungen.
      Mein Kind hat besonders doll getanzt wenn wir ihm den Mana Mana Song aus der Sesamstrasse vorgesungen haben.

      http://www.youtube.com/watch?v=PW9T88c6sVo

Beitrag kommentieren