Endlich schwanger… Wie sag ich´s meinem Chef?

21 Mrz

Zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft sah mein Arbeitsverhältnis  wie folgt aus:

Ich hatte seit einem halben Jahr einen Zeitarbeitsvertrag, arbeitete in einem recht großen Unternehmen und war insgesamt ganz zufrieden mit meiner Situation. Zumal man mir nach diesen sechs Monaten eine Verlängerung meines Arbeitsverhältnisses in Aussicht stellte. Kurz vor Ablauf der sechs Monate ging ich auf meinen Vorgesetzten zu und fragte ihn, wie es denn mit mir weiterginge. Er begann, über beide Ohren zu strahlen und sagte mir, dass man meinen ZEITARBEITSVERTAG verlängern würde, da man ja sooo zufrieden mit meiner Arbeit sei.

Die Menschen, die mich kennen wissen, dass ich keine gute Schauspielerin bin und meine Gefühle nicht wirklich gut verbergen kann. Mein Gesicht ballte sich also zur Faust und mit einem „Ja ganz toll“ drehte ich mich weg und lies ihn mit seinem Strahlen stehen. Ich war stinksauer  und fühlte mich schlicht und ergreifend  verarscht.

Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, was in meinem Uterus vor sich ging.

Ich begann also, mich wieder nach Jobs umzusehen und Bewerbungen zu schreiben. Dass es bei mir nur  noch Dienst nach Vorschrift gab, versteht sich wohl von selbst.

Zufällig entdeckte ich kurze Zeit nach meinem Gespräch mit meinem Vorgesetzten eine supertolle interne Stelle. Und da ich aus meiner Sicht nichts zu verlieren hatte, habe ich mich auch darauf beworben. Nur wenige Tage später lud man mich zum Vorstellungsgespräch ein. Dieses verlief auch sehr erfolgreich und man bot mir die neue Stelle an.  Dabei handelte es sich um einen richtigen Job, zu den richtigen Konditionen.

Diesmal ging ich mit einem strahlenden Lächeln zu meinem Vorgesetzten  und erklärte ihm, dass ich intern eine neue Stelle gefunden habe und meinen Arbeitsplatz räumen werde. Dies löste eine nicht geahnte Kettenreaktion aus. Mein Vorgesetzter erbat sich etwas Zeit, um handeln zu können. Ganz plötzlich wollte er sich auch dafür einsetzen, dass man mir doch noch einen festen Vertrag gibt, und zwar für den Job, den ich auch bis dato innehatte.

Plötzlich mischten sich sämtliche Vorgesetzte – und sogar die Geschäftsleitung – ein und baten mich zu einem  Gespräch.  So viel Aufsehen um meine Person war ich bis dato nicht gewohnt. Ich wollte doch bloß einen echten Job mit echter Bezahlung und echten Arbeitszeiten. Jetzt hatte e ich also die Qual der Wahl. Neben diesen Irrungen und Wirrungen um meinen Arbeitsplatz erfuhr ich, dass ich schwanger war.

Was sollte ich tun? Ich überlegte hin und her.

Was passiert wohl, wenn ich meinem Arbeitgeber sage, dass ich schwanger bin?

Dass der mir weder einen  festen Vertrag noch eine Verlängerung meines Zeitarbeitsverhältnisses  anbieten würde, ist ja wohl klar, oder? Das hätte bedeutet, ich wäre nach meiner  Elternzeit arbeitslos, und das mit einem Baby. Ich hatte schon immer irgendwie Existenzangst, aber in diesem Fall war sie wirklich begründet. Natürlich hatte ich einen Freund, der für mich und das Kind sorgen würde, aber  ich war es nun mal gewohnt, für mich selbst aufkommen zu können.

Hier sind wir wieder bei der Frage nach dem  richtigen Zeitpunkt. Klar hatten wir ein Baby geplant. Aber es sollte sich ankündigen, wenn ich  beruflich wieder im sicheren Sattel sitze. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es jetzt so schnell gehen würde. So oft, wie ich die Pille in den letzten Jahren vergessen hatte, müsste ich eigentlich schon zehn Kinder haben. Viel eher glaubte ich unfruchtbar zu sein.

Aber jetzt war es eben soweit. Ich war endlich schwanger, und ich wollte dieses Baby mit jeder Faser meines Körpers. Es sollte ein kleiner Junge werden, er soll leben und gesund sein.

Ich entschied mich natürlich dafür, meine „alte“ Stelle mit neuem Vertrag zu behalten. Nachdem ich den neuen Vertrag unterzeichnet hatte, überlegte ich mir, wie ich am besten meinem Vorgesetzten und der Geschäftsleitung beibringen sollte, dass ihre neue Mitarbeiterin schwanger ist. Das ging am besten während eines einwöchigen Urlaubes in der Türkei. Ich war jetzt fast in der zwölften Woche und erholte mich noch einmal vor dem nahenden Sturm. Gleich  nach dem Urlaub informierte ich die Personalabteilung. Später ging ich noch zum Betriebsrat, um mir für den Falle meiner  verbalen Hinrichtung Beistand zu holen.

Der Tag war gekommen, und der Geschäftsführer lud mich zum Gespräch. Er hatte die frohe Botschaft bereits durch die Personalabteilung erfahren, die ich vorher informiert hatte. Ich war sehr nervös und hatte Angst, dass er mich niedermachen würde. Ich ging also in die Geschäftsführungsetage  und stand vor seinem gläsernen Büro. Er saß an seinem Schreibtisch. Als er mich sah, stand er auf und kam schnellen Schrittes zur Tür, um mich herein zu lassen. Ich hielt die Luft an und versuchte souverän zu wirken. Er sah mich an und ….lächelte “Hallo Frau Samperl (so hieß ich vor meiner Hochzeit), wie geht es Ihnen? Kommen sie doch herein und erzählen sie mal…“ Vor lauter Erleichterung liefen mir die Tränen. Ich hätte ihn knutschen können.  Er war zwar „not amused“ über die Tatsache, aber er sagte  ändern könne er auch nichts und schon gar nicht mich feuern. Also  gratulierte er mir.

Jetzt konnte ich mich entspannen und mich auf MEIN Baby freuen. Mit meinem Bauch wuchs auch das dicke Fell, das ich mir anlegte, um das Getuschel über meine „Hinterfotzigkeit“  besser aushalten zu können, bis es allmählich von selber verstummte.

Ich muss sagen, ich hatte schon ein schlechtes Gewissen meinem Arbeitgeber gegenüber. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich schon mit einem schlechten Gewissen wegen allem Möglichen auf die Welt gekommen bin.

Auf der anderen Seite stelle ich mal die Frage in den Raum, hatte mein Arbeitgeber auch ein schlechtes Gewissen, als er versucht hat, mich mit der Verlängerung meines Zeitarbeitsvertrages hinzuhalten? Wahrscheinlich hat er gedacht, die kleine Büromaus freut sich noch darüber und merkt nicht, dass wir sie hinhalten wollen. Heute weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Für mich und meine mittlerweile beiden Kinder. Und hey, ich bin im Sternzeichen Löwe geboren und die haben bekanntlich Krallen.

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Eine Antwort to “Endlich schwanger… Wie sag ich´s meinem Chef?”

  1. angela 9. April 2013 at 23:48 #

    Ich hatte es damals nicht meinem Chef gesagt sondern einfach der Personalabteilung es schriftlich es mitgeteilt….ich finde Chefs generell verdauen es nicht so gut. …Personalabteilung ist da eher besser

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