Kampf der Geschlechter

29 Mai

Geschlechterkampf

Es war an einem Freitag. Ich war in der 14. Woche und saß im Büro an meinem Schreibtisch. Wie neuerdings üblich rannte ich auch an diesem Tag gefühlte 25 mal zur Toilette. Doch dann passierte es… Ich entdeckte Blut in meinem Schlüppi. Vor Schreck merkte ich, wie mir die Farbe aus dem Gesicht wich. Baby im Bauch und Blut im Schlüppi, das konnte nur eines bedeuten: meinem Baby ging es nicht gut!

Ich lief relativ gefasst (und übrigens auch wieder komplett angezogen) zu meinem Schreibtisch und schnappte mir mein Handy, um meine Freundin, die schon eine geübte Mutter war und nebenbei auch Ärztin ist, anzurufen.

„Oh Gott Hasi, ich habe Blutungen.“ Ja, wir nennen uns gegenseitig Hasi. Warum das so ist, soll an einer anderen Stelle erzählt werden…Weiter geht’s… „Hasi, beruhige Dich. Wie stark sind sie denn?“ fragte sie mich. „Auf den ersten Blick würde man die vielleicht nicht sehen, aber da ist was.“ Aufatmen am anderen Ende der Leitung. „Ok, Alles ist gut, mach Dir keine Sorgen! Das ist normal, weil sich Dein Körper auf die Schwangerschaft einstellt und sich Alles ausdehnt. Dabei kann es schon mal bluten. Geh aber besser trotzdem  nochmal zum Arzt.“

Ich war für´s Erste beruhigt, rief meinen Freund an und ließ mich von ihm in die Klinik fahren. Um meine Blutungen nicht noch weiter voranzutreiben, zwang ich ihn und am meisten mich selbst zur Ruhe.

Im Krankenhaus erzählte ich dem Arzt von meinem „mit bloßem Auge erkennbaren Befund“. An seiner Reaktion merkte ich, dass ich wohl kein spezieller Fall war und nicht gleich auf die Intensivstation musste.

„Ja so etwas passiert schon mal, ich schau mal nach.“  sagte er und machte den Zauberstab startklar. Es ist nämlich so: Für Blutungen in den ersten Wochen bis hin zum vierten Monat kann es verschiedene harmlose Erklärungen geben, z.B. dass das Gewebe am Gebärmutterhals weich wird und so weiter. Und dies war bei mir der Fall, sonst nix.

Mehr zu dem Thema findet ihr hier:

http://www.babycenter.de/x8678/was-bedeuten-blutungen-in-der-fr%C3%BChen-schwangerschaft

http://www.eltern.de/schwangerschaft/5-15-woche/blutungen.html

 

Dem Kleinen Mann in mir ging es also gut.

Während der Untersuchung erzählte mir der Arzt, dass er sich immer eine Tochter gewünscht hatte, jedoch mit drei Söhnen beschenkt wurde. Auf einen weiteren Versuch wollten er und seine Frau jedoch verzichten.

Dann fragte er mich, ob ich denn schon das Geschlecht meines Babys wüsste.

„Ein Junge“ flötete ich.

„Hmm, also das sieht hier aber ganz anders aus. Meiner Meinung nach wird es zu 90% ein Mädchen.“ sagte er und zeigte mir auf dem winzigen Monitor, der aus der medizinischen Steinzeit zu stammen schien, die Labien (Schamlippen). Ich erkannte rein gar nix außer einem kleinem zuckenden Gebilde aus schwarz und weiß. Ich hätte ihm auch geglaubt, wenn er gesagt hätte, es wären Ohrläppchen.

Tja mein Junge war also doch ein Mädchen. Ich hatte einen Kloß im Hals.

Versteht mich nicht falsch. Ich hatte nicht generell etwas gegen ein Mädchen, ich bin ja selber eines. Ich wünschte mir auch eine Tochter. Aber sie sollte einen großen Bruder haben… Logisch, oder?

Mein Blick wanderte zu meinem Freund, der neben mir auf dem Stuhl saß und sich wie ein König auf seine kleine Prinzessin freute, die er sich gewünscht hatte.

Na gut, dann musste ich halt meine babyblauen Träume gegen rosarote eintauschen.

Vier Wochen später stand der Termin bei Pränatal an. Ich war jetzt in der 19. Woche und freute mich auf die Untersuchung, denn ich glaubte nicht wirklich daran, dass es meinem Baby irgendwie schlecht gehen könnte. Wir würden unsere Tochter per 3D-Ultraschall auf einem Riesenmonitor sehen. Ich nahm schon mal in der ersten Reihe Platz, jetzt fehlte nur noch das Popcorn. Film ab!

Was für ein unglaubliches Gefühl das war, diesen kleinen Menschen, der in meinem Bauch wohnte, zu beobachten. Ihn zu sehen, wie er gerade pinkelt, um im nächsten Moment Fruchtwasser zu trinken oder am Daumen zu lutschen. Wir hatten alle Tests bestanden. Dem Baby ging es gut, und damit auch uns.

„Wollen sie noch das Geschlecht Ihres Kindes wissen?“. „Das wissen wir schon, es wird ein Mädchen.“ „Also ich sehe hier etwas Anderes. Es wird zu 99 % ein Junge! Darauf lege ich mich fest, da ich das auch in meinen Bericht aufnehmen muss.”

„Schauen sie mal hier …“

Auf dem Riesen Hightech-Monitor sah ich den Popo meines Kindes und zwischen den Beinchen baumelte ein kleiner Pipimann. Reflexartig zuckten meine Mundwinkel und formten ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich erzählte der Ärztin vom Besuch in der Klinik und dem Tipp meines Gyn. Aber sie wollte ihre Meinung nicht ändern.

Der Blick zu meinem Freund verriet mir, dass er jetzt tapfer sein musste. Er musste noch eine Weile auf seine Prinzessin warten und durfte sich mit mir auf unseren Sohnenschein freuen.

Bei der nächsten  Vorsorge bestätigte mir mein Gyn den Befund. Dem Baby ging es gut und es würde ein Junge. Um ehrlich zu sein, war es mir am Ende gar nicht mehr so wichtig, ob Mädchen oder Junge. Ich hatte mich inzwischen auch an den Gedanken gewöhnt, ein Mädchen zu haben und zu lieben.

Allerdings konnten wir uns nun darauf einstellen und anfangen, uns über die Babyausstattung Gedanken zu machen. Auch wenn man versucht, vieles neutral zu kaufen, kommt man um geschlechtsspezifische Klamotten und Deko für die lieben Kleinen nicht herum.

Also freute ich mich schon auf  Bob der Baumeister, Autos, Dinos und Co.

 

 

 

 

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2 Antworten to “Kampf der Geschlechter”

  1. Pappa Aggi 31. Mai 2013 at 07:56 #

    Ja, das war nix für schwache Nerven! Als es hieß, dass wir ein Mädchen bekommen, war ich überglücklich… Ein kleines Mädchen hab ich mir doch schon immer gewünscht. :-) Doch dann kam die Rolle rückwärts von den Ärzten, und plötzlich war mein Mädchen doch wieder ein Junge. Jupp, da war ich im ersten Moment (und keine Sekunde länger) tatsächlich ein bisschen enttäuscht.

    Doch vom ersten Tag an, den unser Sohnenschein unser Leben bereichert, hätte ich ihn gegen kein Mädchen dieser Welt eintauschen wollen!!! Wir sind ein Herz und eine Seele.

    Und meine kleine Prinzessin hab ich ja inzwischen auch. :-)

  2. Verena 30. Mai 2013 at 09:01 #

    Ich kann mich so gut an meine Schwangerschaft erinnern! Ich weiß noch, wie ich völlig hysterisch zum Arzt fuhr, weil ich auch “riesen” Blutungen hatte!

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