Klopf klopf, horch wer klopft von innen an

1 Mai

Ich war  in der 15. Woche. Um mich herum stapelten sich Elternzeitschriften und Infomaterialien zum Thema “Schwangerschaft und Baby”. Überschwemmt von so viel Informationen stapelten sich in meinem Hirn auch die Fragezeichen.

Was ist Kolostrum?
Wozu benutzt man Heilwolle?
Was ist Kindspech?
Wozu brauche ich einen Maxi Cosi?
Welchen Kinderwagen soll ich kaufen?
Was ist Toxoplasmose?

Ich war  verwirrt. Vor allem als ich las, dass eine Nackenfaltenuntersuchung nur bis zur 12. Woche durchgeführt werden kann. So ein Mist! Aber was bedeutete  das jetzt?
Ich hatte zwar nicht wirklich Ahnung, wozu diese Untersuchung notwendig sein soll, aber ich bekam vorsichtshalber mal  Panik.

Ganz kurz zur Erklärung: Die Nackenfaltenuntersuchung ist eine spezielle Art der Ultraschalluntersuchung, bei der man Anzeichen für ein Down Syndrom beim Neugeborenen sehen kann. Die Nackenfalte, die untersucht wird , entsteht durch eine Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich des Ungeborenen. Ist  dieses  Hautfalte im Nacken dicker als fünf Millimeter, könnte dies ein Indiz für das Down-Syndrom sein.

Besorgt und mit meinen Fragezeichen unterm Arm stand ich kurze Zeit später wieder bei dem  Doc meines  Vertrauens auf der Matte.

„Machen sie sich keine Sorgen. Wenn ich etwas Auffälliges gesehen hätte,  hätte ich es Ihnen schon mitgeteilt. Aber wenn sie möchten, gebe ich Ihnen eine Überweisung zu Pränatal mit.” Mit Pränatal meinte er die Ärztliche Partnerschaftsgesellschaft für Praenatal-Medizin und Genetik in Düsseldorf. Um nicht noch mehr Fragezeichen zu produzieren, sei hier mal kurz erklärt: Pränatal bedeutet vorgeburtlich.

Während der Untersuchung gelang  es ihm übrigens doch noch, mich zu beruhigen. Trotzdem gab  er mir zur Sicherheit eine Überweisung mit.

„Also eine Frage habe ich ja doch noch. Können sie schon sehen, was es wird?“

Yes, yes, yes, ein Junge! So wie ich es mir gewünscht hatte.

„ Es ist noch viel zu früh, aber es ist mein erster Tipp.“ Seine Antwort reichte, um mich wie ein Honigkuchenpferd strahlen zu lassen. Ich kann noch nicht mal genau sagen warum, aber in meiner Vorstellung habe ich mich immer als Mama eines süßen kleinen Jungen gesehen. Ich bekam eine Gänsehaut. Sollte mein Wunsch wirklich in Erfüllung gehen? Ich muss mich zwingen, vor Freude  nicht vom GynStuhl zu hüpfen und durchs Behandlungszimmer zu tanzen. „Spüren sie schon Kindsbewegungen?”

Ich schüttelte  den Kopf. Der Doc lächelte verständnisvoll, als er schon wieder meinen panischen Blick sah. Wahrscheinlich dachte er, ich hab einen an der Waffel.

„Machen sie sich keine Sorgen, es ist alles so, wie es sein soll.“ Wenn der wüsste, wie es in mir aussieht. Nein… Nicht da drin! Ze ze ze… Diesen Teil meines Körpers kennt er besser als ich selbst. Ich meine in meinem  Seelchen. Kaum weiß man von der Existenz seines Lieblingswurms, fängt man an, ihn zu hegen und zu pflegen und sich um ihn zu sorgen.

Ultraschallbild_Nils_KW15

Meine Freundin Emel hat mal gesagt „So ein Kind stellt Dein ganzes Leben auf den Kopf.“ Natürlich konnte ich das damals noch nicht nachvollziehen. Aber ich bekam so langsam eine leise Ahnung davon, was sie mir sagen wollte.

Mit einem Stein vom Herzen weniger und einer Überweisung zu Pränatal unterm Arm verlies  ich schweren Herzens meinen Doc.

Vielleicht habe ich es mir nur eingebildet. Und natürlich wusste ich bis dato auch nicht, wie es sich anfühlen würde. Dennoch glaube ich, war es am nächsten Morgen  so weit. Ich lag schön entspannt in meinem Bett, als es plötzlich ganz leise klopfte  …nein nicht an der Tür. .. an meine Bauchdecke.

Ich war also nicht mehr allein.

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