Wenn aus Hochzeitsglöckchen Hochzeitsglocken werden

1 Sep

Las ich doch neulich in einem Buch über Motivation, dass man über seine Schreibblockade schreiben soll. Und die hatte ich. Ich überlegte hin und her, wie ich den neuen Beitrag gestalten sollte. Ob er überhaupt interessant sein würde. Ich hatte ja im Kapitel Baustelle Nest unsere Hochzeit bereits angesprochen. Also war es doch eigentlich nur logisch, einen Beitrag über unsere Hochzeit zu schreiben. Wenn es doch das Wörtchen „eigentlich“ nicht gäbe. Ich unternahm mehrere Anläufe und schrieb Einleitungen, die ich dann wieder verwarf. Es wollte mir einfach nicht so locker aus der Feder… Pardon: aus der Tastatur fließen. Dazu kam natürlich unser täglicher Wahnsinn. Unsere beiden Kinder haben nämlich gerade die Angewohnheit, ihren Mittagschlaf so weit nach hinten zu verschieben, dass sie abends topfit sind. Demnach gehen die beiden Racker auch erst spät ins Bett. Und wenn sie endlich so weit sind, bin ich meist so platt, dass ich nur noch alle Viere von mir strecken möchte.

Also staute sich in mir langsam aber sicher Frust auf. Nicht dass ich nicht nur nicht zum schreiben kam. Ich kam auch nicht dazu, shoppen oder zum Sport geschweige denn zum Friseur zu gehen oder sonst etwas nur für mich zu tun.

Gestern war es dann soweit. Mein Frust machte sich Luft. Und wer bekam das zu spüren? Ihr ahnt es sicherlich… Genau, meine bessere Hälfte! Lauthals machte ich ihm klar, dass ich fix und fertig bin und vorzeitig altere, weil ich keinen Schlaf mehr bekomme. Naja, und es sind noch ein paar andere Nettigkeiten gefallen, die ich Euch aber besser erspare. Am Ende meines Monologs ging ich dann dazu über, meine bisher gesammelten Aufzeichnungen und Ideen zu meinem Hochzeitsbeitrag zu zerreißen und in die Tonne zu hauen. Ende, aus, vorbei! Komm ja eh nicht dazu.

Nur ganz kurz zur Info: Ich schreibe tatsächlich alles erst in meinen Schreibblock und tippe es hinterher ab. Ich mache das so, weil ich tagsüber nicht dazu komme, den Laptop anzuschmeißen. Die Kinder würden mir auf der Tastatur rumlaufen bzw. -krabbeln. Aber meinen Schreibblock  habe ich immer griffbereit.

Und warum mache ich eigentlich so ein großes Aufhebens um die Schreiberei? Ich heiße ja schließlich nicht J.K. Rowling. Nö, tu ich auch nicht. Aber was soll ich Euch sagen? Es macht einfach Spaß! Es tut mir gut, meine Erlebnisse rund um die Schwangerschaften und Geburten aufzuschreiben und in die Tasten zu hauen, um von Euch gelesen zu werden.

Ich stieg also in mein Bett und heulte. Doch dann kam mein mir Angetrauter  ins Zimmer und führte mir einmal mehr vor Augen, wieso mir dieses Konstrukt der Ehe so wichtig war… Sie gibt mir Halt und Geborgenheit. Er hörte sich zuerst meinen Ärger an, um dann durchzuatmen und mir im Anschluss gut zuzureden. André versprach mir, mir in Zukunft mehr Zeit freizuschaufeln, damit ich an meinem so geliebten Blog-Projekt weiterarbeiten kann. Und das tue ich auch. Die zerrissenen Dokumente musste ich allerdings alleine zusammenpuzzeln. Wie das Foto beweist, half mir Mini-André bei der Wiederherstellung meiner Unterlagen, während die Maxi-Version mit einem schadenfrohen Grinsen danebenstand. Strafe muss schließlich sein!  Vielen Dank für Deine Liebe, André…. So, das musste mal gesagt werden. Ach hört Ihr jetzt auch die Geigen in der Luft? Schön, oder!?

Helfende Hände

Kommen wir aber mal zum eigentlichen Kern meines Beitrages: nämlich unserer Hochzeit.

Ja, wir wollten heiraten… Irgendwann. Verlobt waren wir bereits eine Weile. Damals war´s in Rom…. Aber ich drifte ab. Ohne die Schwangerschaft hätte sich diese Verlobungsphase wohl noch eine ganze Weile hingezogen, bis wir unsere Hochzeit letztendlich verpennt hätten. Und irgendwann wäre ich zu alt für mein Traumhochzeitskleid gewesen. Nicht auszudenken!

Allerdings fiel uns die Entscheidung, beim Standesamt Nägel mit Köpfen zu machen – jetzt da ich schwanger war – sehr viel leichter. Durch das Baby ist man ja ohnehin sein Leben lang miteinander verbunden.

Übrigens lese und höre ich immer wieder von schwangeren Paaren, die eben noch kurz vor der Geburt ihres Kindes heiraten. Um das an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich zu sagen: Für alle diejenigen, die jetzt schwanger sind – Nein, ihr müsst nicht alle wie wild heiraten und die Kindsväter zum Standesamt schleppen. Allerdings wenn ihr das wirklich wollt, nur zu. Es ist schon ein tolles Gefühl, so festlich und vor vielen Zeugen seine Liebe zu bekunden. Allerdings denke ich, Euer Baby gibt ne feuchte Windel drauf, ob ihr mit oder ohne Trauschein glücklich seid. Wir entschieden uns zu heiraten, schon bevor unser Junior auf dem Radar auftauchte. Und jetzt war einfach der beste Zeitpunkt, es zu tun. Wir wollten eine kleine aber feine Hochzeitsfeier, nur im Rahmen der Familie.

Zu dumm nur, dass unsere Familien gar nicht klein sondern eher groß sind. „Klein“ konnten wir somit schon einmal streichen. Und so wurden aus unseren Höchzeitsglöckchen ganz schnell Hochzeitsglocken.

Außerdem wären bestimmt viele Freunde ziemlich enttäuscht gewesen, nicht zu unserer Hochzeit eingeladen zu sein, wenn wir uns quasi drei Straßen weiter im Standesamt das Ja-Wort geben. Nach einigen Überlegungen beschlossen wir also „Augen zu und durch!“. Ich weiß, das klingt gar nicht romantisch. Aber zu meiner/unserer Verteidigung muss ich sagen, dass wir nicht besonders viel Zeit hatten, um alles zu organisieren. Im April erfuhren wir, dass wir schwanger sind, im Juli entschieden wir uns, die Hochzeit dingfest zu machen und im Oktober sollte geheiratet werden. Genau, das heißt, wir hatten nur noch drei Monate für die Organisation.

Abgesehen von leichten Ermüdungserscheinungen, Kurzatmigkeit und hin und wieder Sodbrennen ging es mir gut. Mein Baby war gesund und munter, und strampelte kräftig in meinem Bauch herum… vor allem abends, wenn ich schlafen wollte. Aber das war alles noch  erträglich.

Mich beschäftigte noch eine ganz andere Frage: „Hoffentlich passt das Kleid noch!“. Das große, romantische Brautkleid, das ich ein Jahr zuvor spaßeshalber mal anprobiert hatte, konnte ich jedenfalls vergessen. Ich hatte allerdings schon vorgesorgt und mir in meinem Türkei-Urlaub ein wunderschönes Brautkleid für Schwangere gekauft. Und damit ging der Spaß erst los. Solch edler Zwirn benötigt edles Schuhwerk, Schmuck, Handtasche, Reifrock, Cape und so weiter und sofort. Ich wusste bis dato auch nicht, dass weiß nicht einfach weiß ist. Es gibt weiß, creme, champagner, ivory und weiß der Geier was sonst noch. Aber zum Glück war die Dame des Hildener Brautladens sehr freundlich und hat mich wunderbar beraten, obwohl ich das Kleid nicht einmal bei ihr gekauft hatte.

Ihr seht, das war harte Arbeit. Aber damit nicht genug. Jetzt brauchten wir ja nur noch ein geeignetes Lokal, die Gästeliste, einen Zeitplan, eine Torte, ein Menü, die Tischdeko, den Brautstrauß, Einladungskarten  und und und… Ach ja, mein Mann hat mich auch nicht nackig geheiratet… Er hat auch eine tollen Anzug bekommen mit allem was dazu gehört. Tatkräftige Hilfe erhielt ich aus dem Lichtjahre entfernten England. Denn dort lebt ein Engel, und der heißt Angela. Angi lieh mir nicht nur bereitwillig ihr offenes Ohr, nein sie stattete mich mit Kopfschmuck, guten Tipps und Einladungskarten aus. An dieser Stelle muss ich Dich noch mal knutschen Angi, Grazie!!

Jetzt konnte endlich geheiratet werden. Wir feierten eine tolle Hochzeit mit tollen Gästen. Irgendwann nachts fiel dann das frisch vermählte Ehepaar ins Bett und ….das geht Euch nun wirklich nichts an. Nur so viel. Schwanger wurde ich in der Hochzeitsnach nicht…

Meine Hochzeit

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2 Antworten to “Wenn aus Hochzeitsglöckchen Hochzeitsglocken werden”

  1. Ylva 13. September 2013 at 20:10 #

    Liebste Nippelsister!

    Endlich bin ich dazu gekommen die letzten zwei Beiträge zu lesen. Und ich bin so sehr gerührt vom letzten Beitrag (Hochzeitsglöckchen/glocken) und fühle mich zu tiefst getroffen… Vor allem vom ersten Teil Deines Beitrages: Es ist verdammt nochmal nicht leicht Mama zu sein! Das hat uns vorher keiner gesagt, gell!?! Man tut und macht und schuftet und spielt und bespaßt, kocht, putzt, bügelt, wäscht und bespielt und bespaßt wieder… und dann sollte man auch irgendwann an sich denken. Und manchmal PLATZT man einfach…! Das ist allerdings erlaubt, sonst staut sich so viel Frust an, was auch nicht gerade gesund ist. Also, lieber platzen, schreien/weinen/heulen und dann durchatmen. Meistens geht es einem dann deutlich besser. Außerdem hast Du ja das Glück, einen verständnisvollen, lieben Mann an Deiner Seite zu haben. Da gibt es leider genügend Frauen, die quasi alleine da stehen, obwohl sie verheiratet sind…

    Ich finde, dass Du wunderbar schreiben kannst. Deine Texte sind witzig, rührend, clever und auf dem Punkt. Ich wünsche mir (und Dir) sehr, dass Du ganz oft bloggen wirst! Weiter so! Du machst das ganz toll!

    Liebe Grüße aus der Nachbarschaft ;-)

    PS. Superschönes Hochzeitsfoto, übrigens! Hübsch seid Ihr!

  2. Angela Ruggieri-Bullock 2. September 2013 at 23:30 #

    Glűckwűnsche zum neuen Beitrag. Sehr erfrischend, ehrlich und direkt. Und gerngeschen tuh ich doch gern x

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